Naturschutzgebiet ``Bastauwiesen``

Größe: 1.776 ha
Schutzstatus: Naturschutzgebiet
Stadt/Gemeinde: Espelkamp, Hille, Lübbecke, Minden
Natura 2000-Kennziffer: DE-3618-301 u. DE-3618-401

Kurzbeschreibung:
Die Bastauwiesen bilden zusammen mit dem Großen Torfmoor, dem Neuenbaumer Moor und dem Alten Moor eine ausgedehnte Moorniederung, die sich zwischen Minden und Lübbecke erstreckt (Vogelschutzgebiet Bastauniederung: 2504 ha). Sie zeichnet sich durch eine Vielzahl moortypischer Lebensräume und deren Bewohner aus.
Das NSG Bastauwiesen erstreckt sich über eine Länge von ca. 14 km zwischen Minden und Lübbecke. Die Breite des Gebietes beläuft sich meist auf 1,4 bis 2,1 km. Im Norden wird das Gebiet weitgehend vom Mittellandkanal begrenzt, im Süden bildet die Bastau über weite Strecken die Gebietsgrenze. Die Böden im Gebiet bestehen zum größten Teil aus Torf. Während weiter westlich, im Bereich des Großen Torfmoors, Hochmoortorf ansteht, herrschen in den Bastauwiesen Niedermoorböden mit von West nach Ost deutlich abnehmender Mächtigkeit vor. Noch Ende der 1950er Jahre wurden die Bastauwiesen größtenteils als Grünland genutzt. Mit der im Rahmen der Flurbereinigung 1958 bis 1960 begonnenen, verstärkten Entwässerung des Gebietes wurden die Grünlandflächen intensiver genutzt oder umgebrochen und der Ackernutzung zugeführt.

Aktuell werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen im NSG zu etwa gleichen Anteilen als Grünland und Acker genutzt. Innerhalb der Grünlandbewirtschaftung dominiert die Wiesennutzung, nur wenige Parzellen lassen sich noch als Feuchtgrünland ansprechen. Das NSG Bastauwiesen ist von Süden her überwiegend offen. Eine ausgedehnte Gliederung durch Feldgehölze, Baumreihen und Einzelgehölze bestimmen die Landschaft im Norden des Gebietes, unterhalb des Mittellandkanals. Das Gebiet wird von mehreren Straßen und zahlreichen Feldwegen gequert. Die im Osten um 5 m breite Bastau ist begradigt und teilweise an ihrer Nordböschung durch einen Damm verbaut. Im Grünland wurden zahlreiche Blänken und Stillgewässer angelegt. Im westlichen Gebietsteil sind noch einige kleinflächige Torfstiche aus den 1960er Jahren zu finden, die heute von Birkengehölzen überdeckt sind.
Die Bastauwiesen sind ein landesweit bedeutsames Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet (Important Bird Area).
Trotz ihres vergleichsweise naturfernen Zustandes kommt der Bastau eine Bedeutung als Lebensraum bedrohter Kleinfische, wie dem Schlammpeitzger und dem Steinbeißer, zu.

Wichtige Lebensräume

Extensives Dauergrünland, Feuchte Hochstaudenfluren, wiedervernässte Feuchtwiesen, naturnahe Kleingewässer, Flutrasen, Röhrichte u. Rieder, Fettwiesen u. -weiden

Typische Tiere:
Bekassine, Großer Brachvogel, Kiebitz, Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Feldschwirl, Wiesenpieper, Rohrammer, Nachtigall, Rohrweihe , Wachtelkönig, Wachtel, Krickente, Knäkente, Zwergtaucher, Neuntöter, Weißstorch, Sumpfschrecke, Goldschrecke, Laubfrosch

Naturschutz

Die Naturschutzbemühungen im NSG Bastauwiesen reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Der Kreis Minden-Lübbecke, die NRW-Stiftung und das Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke“ e.V. sind bis heute im Gebiet stark engagiert, um möglichst viele wertvolle Flächen zu erwerben. So konnten ca. 500 ha des Naturschutzgebietes in öffentliches Eigentum überführt werden. In Zusammenarbeit mit den o.g. Institutionen ist die „Biologische Station Minden-Lübbecke“ e.V. mit der Gebietsbetreuung beauftragt. Die öffentlichen Flächen befinden sich überwiegend entlang der Bastau in vier breiten Kernzonen. Hier wurden und werden umfangreiche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt.

Nach erfolgreicher Zusammenlegung möglichst vieler öffentlicher Flächen wurden schrittweise Planungen zur Wiedervernässung der Niedermoorstandorte entlang der Bastau erstellt und umgesetzt. Dabei wurden die vorhandenen Entwässerungssysteme aus den 1960er Jahren (Gräben und Dränagen) aufgestaut oder zerstört. Durch den Einbau von Staubauwerken wurde das tief anstehende Grundwasser soweit angehoben, dass es für die Grünlandvegetation wieder verfügbar ist.
Dieser langwierige und mühsame Weg hatte seinen „1. Spatenstich“ Ende der 1990er Jahre, als unmittelbar an der Bastau auf Höhe von „Schloss Haddenhausen“ das erste Teilgebiet in einer Größe von ca. 40 ha wiedervernässt werden konnte. Bereits im Frühjahr des folgenden Jahres besetzte ein Weißstorchpaar einige hundert Meter westlich dieses Gebietes eine vorbereitete Nisthilfe und zog erfolgreich vier Jungstörche groß!

Parallel zu weiteren Wiedervernässungen begann mit diesem Storchenpaar die Wiederbesiedlung der Bastauwiesen nachdem diese hier seit 1970 ausgestorben waren. Heute brüten im Bereich des Naturschutzgebietes bis zu 10 Weißstorchpaare und die Population ist stabil.
Nach wie vor werden im Gebiet alljährlich Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen wie Entbuschungen, Wiedervernässungsmaßnahmen und Mäharbeiten durchgeführt. Zu den Aufgaben der Biologischen Station gehört auch die Organisation der naturschutzorientierten Grünlandpflege und –nutzung, die Verpachtung der öffentlichen Flächen und Begleituntersuchungen von Flora und Fauna.